Winterreifen – Mission Impossible

Es ist wie immer: Der Winter kommt jedes Jahr überraschend und plötzlich sind alle Termine für die Winterreifen weg. Weit weg. Zeit für eine Kommando-Aktion
Ich habe dieses Jahr noch einen drauf gelegt:

Ich habe gar keine Winterreifen

Ja, richtig gehört. Einfach nur keinen Termin bekommen kann ja jeder. Es ist ja nicht so, dass ich mir dieses Themas nicht bewusst bin. Schon vor Wochen habe ich den ersten Schritt gemacht und mir ein Angebot meines Reifenhändlers um die Ecke besorgt. Winterreifen mit Stahlfelgen: 629 Euro – na vielen Dank. Seitdem lag das Angebot in meiner Ablage. Und da lag es gut. Der Wagen meiner Frau hat seit Wochen Winterreifen und die 18 Grad Mitte November trieben mich nicht besonders an.

Jetzt: Wintereinbruch

Das Wetter im Taunus

Das Wetter im Taunus

Also nicht bei uns und ggf. auch nur kurz diese Woche. Egal – heute Morgen musste ich kratzen, die Wetter-App sagt Schnee und ich muss morgen zu einem Job in den Taunus. Liegt da Schnee? Mich erreicht heute ein Foto:

Kein Kommentar.

Ich also heute morgen zu meinem Reifendealer. Das Angebot in der Tasche. Der Parkplatz ist nicht voll – ich schöpfe Hoffnung – nehme Platz. Guten Morgen. „Morgen“ schallt es zurück. Ich trage meinen Fall vor. Winterrreifen, gerne mit Felgen, morgen Fahrt in den Taunus, möglich?

Ungläubige Blicke – Schweigen, Lachen

Ich meine das ERNST. Es wird hektisch angefangen auf der Tastatur herumzutippen. Es gebe theoretisch vielleicht noch einen Termin. Aber ob die Reifen auf Lager sind… Nein, sind sie nicht. Andere schon – die sind aber teurer. Na klar. Aber die Stahlfelgen? Die gibt es erst morgen Nachmittag. Wenn’s gut läuft. Zu spät für mich. Sie hätten zufällig aber eine Alu-Felge im Angebot. Kosten: 960 Euro. Ich wollte kein neues Auto kaufen?!?! Ich frage nach, ob man meine aktuellen Felgen benutzen kann. Antwort: Vielleicht – kann man nicht genau sagen, dazu müsste man den Wagen sehen. Ich gehe.

Es wird Zeit für „Kommando Winterreifen“

Einfahrt zum Firmengelände

Einfahrt zum Firmengelände

Also die Kollegen der Reifenhandelskette haben es versucht, mit mäßigem Erfolg. Ich gebe aber auch zu, dass ich echt ein schwieriger Kunde bin. Ich sitze wieder im Wagen meiner Frau und sollte jetzt mal zum WDR fahren. Und dann kommt mir eine Idee: Auf dem Weg gibt’s doch noch diese kleine Hinterhof-Werkstatt. Und wenn ich Hinterhof sage, dann meine ich Hinterhof.

Es sind diese Läden, die es überall im Ruhrgebiet gibt und die ihren ganz eigenen Charm entfalten. Ja, auch in München gibt es Hinterhöfe, aber die sind irgendwie anders. Hier riecht es nach Öl, das Rauschen der B1 ist noch leise hörbar und kaum habe ich den Wagen abgestellt, schlendert ein Mann im Blaumann auf mich zu.

Ich trage mein Anliegen vor, ernte das schon bekannte Lächeln und wir gehen in das „Büro“. Das ist ein Raum ohne Fenster. Ich glaube es ist ein alter Kellerraum des Wohnhauses nebenan. Darin eine Theke, es ist aufgeräumt und die Heizung läuft. Mir bricht spontan der Schweiß aus – es ist gefühlte 39 Grad heiß. Er blickt in seinen Computer – wir reden, diskutieren Reifengrößen, Felgen und nebenbei die 1:3 Pleite des BVB vom Freitag. Er hat keine passenden Felgen da, aber ein passendes (!!!) Paar Reifen. Ich stelle die entscheidende Frage:

„Ich brauche die Reifen morgen früh an meinem Wagen – habe ich eine Chance?“

Er lächelt – meine Hoffnung stirbt

Er holt tief Luft und sagt: Also wenn sie den Wagen eben holen, dann ist er um 15 Uhr fertig. Ich bin verdattert und frage dämlich: „Heute??“ Natürlich heute. Dieser Mann rettet meine Fahrt in den Taunus. Oder ein anderes Wort: HELD!

Warum schreibe ich das? Mein Freund Maik hat vor kurzem was über inhabergeführte Hotels gebloggt. Sehr lesenswert und in Sachen Hotels würde auch ich eher auf die Hotelkette setzen.

Nach meiner Winterreifen-Kamikaze-Aktion von heute Morgen breche ich nun aber eine Lanze FÜR inhabergeführte Werkstätten. Super nett, echt schnell und sehr flexibel. Danke dafür. Ich jedenfalls weiß, wo ich im nächsten Jahr meine Reifen wechseln lasse.

Randnotiz:

Als ich beim ersten Reifenhändler auf ein Ergebnis meiner Anfrage wartete, wurde am Nebenschalter ein Herr bedient. Er war mir schon aufgefallen, da er vor mir auf den Parkplatz gefahren war. Er fuhr eines dieser neuen Modelle, bei denen man nicht weiß, welche Art von Auto das sein soll. Ich habe gegoogelt: Mercedes GLE Coupe. Ein Auto, auf das die Welt gewartet hat. Doch leider gibt es bei diesem Auto ein Problem: Es gibt für dieses Modell noch keine passenden Alufelgen. Und selbst wenn es die gäbe – kein Hersteller hat bis jetzt passende Winterreifen im Programm. Der Mann ist nicht begeistert. „Dann muss ich also echt zu Mercedes und dort teure original Felgen und Reifen kaufen?“ Schweigen. „Na toll.“

Manch einer könnte das ’soziale Gerechtigkeit‘ nennen. 🙂

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