Ruhrgebiet ist überall – gut so.

Ich war die letzten Tage kurz auf einer Städtereise. Oslo und Kopenhagen standen auf dem Programm und da ich in beiden Städten noch nicht war, sollte sich dies nun ändern.

Und um das ganze angenehm zu verbinden haben meine Frau und ich kurz auf einem Schiff eingecheckt und wurden so für einen guten Kurs (Achtung Wortspiel) einmal durch Nord- und Ostsee kutschiert.

Es passiert am letzten AbendKopenhagen

Ein wirklich wundervoller Tag in Kopenhagen mit dänischem Hot-Dog und leckerem Bier in Nyhavn liegt hinter uns. Morgen ist die Reise zu Ende. Wir schauen uns noch das Auslaufen an und dann geht’s ins Restaurant zum Abendessen. Und da passiert es: Kurz nachdem wir uns an einen der runden Tische gesetzt haben treffen wir auf Silke, Rita, Gisela, sowie Gerda mit ihrer Tochter Nicole. (Alle Namen sind frei erfunden, denn ich habe keine der Damen um Erlaubnis gefragt, ob ich den Abend verbloggen darf, aber die Geschichte ist einfach zu gut, um sie nicht aufzuschreiben.)

Es wird sofort laut am Tisch

Die Damen sind in Feierlaune. Ein letztes Glas Wein soll es noch werden. Quasi zum Abschluss. Ich sitze friedlich über meinem Abendessen (Es gibt Lachs und zum Nachtisch Eis) und schon passiert es. Rita erzählt von ihrer erster Ehe (inzwischen geschieden). Rita ist geschätzte Anfang 50 und sieht aus wie die netten Dame aus dem Bürgerbüro der Stadt. Der Dialekt kommt irgendwie bekannt vor – eindeutig keine Passagiere aus dem Süden oder Osten. Schnell wird festgestellt, dass ich der einzige Mann am Tisch bin und daher ein schützenswertes Wesen. Gelächter.

Sarah kneift in meinen Oberschenkel

In dem Moment kommt Nicole mit einem Teller zum Tisch – Schokoladeneis und Gurke sind darauf zu sehen. Lauter Protest erhebt sich. Das ginge ja nicht. Ich flüstere Sarah zu: „Vielleicht schwanger?“ Antwort: „Ja – wurde gerade schon geklärt.“ Habe ich wohl verpasst. Wir stellen fest, die Truppe ist nicht komplett, denn in diesem Moment kommt Gisela zum Tisch. Sie war „bei den Fotos“ und hat sich danach verlaufen. Das ausgedruckte und wahrscheinlich sauteure Foto wird herumgereicht und begutachtet. Rita: „Mach mal nen Foto vom Foto und schick mir das bei WhatsApp.“ Kann man machen.

Über den Wein ins Gespräch

Die Unterhaltung geht weiter und es ist irgendwie wie an der Supermarkttheke zu Hause in Dortmund – nur besser. Dann wird auch klar warum: Die Damen kommen aus Duisburg. Mit Ausnahme von Gisela – die kommt aus Moers, was sie lautstark betont. Das muss so sein. Unter den blinden Städten ist die Einäugige… ihr wisst schon.
Das Restaurant schließt.

Das Ruhrgebiet zieht weiter

„Jetzt gehen wir noch nen Absacker trinken.“ Klare Ansage von Gerda. Tochter Nicole nickt wissend – später am Abend wird klar, dass sie die Erwachsene in der Mutter-Tochter-Beziehung ist. Sie ist Anfang dreissig und Steuerberaterin. Die Truppe macht sich auf den Weg durchs Schiff. Zweimal halten wir an, da ein- oder mehrere Teilnehmer verloren gegangen sind. Ich sehe Sarahs Blick. Sie sucht immer noch die versteckte Kamera. So viele nettes, großartiges Ruhrgebiet mitten auf der Ostsee gibts eigentlich nicht.
Wir finden die Bar, erobern eine Sitzgruppe, das es an der Bar nicht genug Sitzplätze gibt. Gut, die einzige, die sich mal setzten müsste wäre Nicole, aber auch ich würde mich gerne zurücklehnen und die Show genießen.

Vaterkomplex – im Ruhrgebiet wirste geholfen

Alte Kopenhagener Weisheit

Alte Kopenhagener Weisheit

Wir bestellen. Es gibt Pina Colada, Wein und ein Bier für mich. Von Gisela erfahre ich verschiedene Dinge aus ihrem Leben, sie schwärmt von ihrer Enkelin. Sarah unterhält sich mit Gerda und scheint meine Vorzüge anzupreisen. Das ist mir unangenehm, aber die Unterhaltung bekommt schnell einen ernsten Charakter. Da mein Erzeuger nicht wirklich an meinem Leben teilnehmen wollte, fehlt mir jemand, der mir das Starke, Männliche beigebracht hat. Sagt Gerda. Aha. Gerda scheint sich auszukennen. (Am nächsten Tag frage ich Sarah, was Gerda eigentlich beruflich macht – Sarah ist sich nicht ganz sicher, aber sie glaubt Gerda hätte erzählt, dass sie irgendwas mit Schaufenstern macht). Ich kann mich nur erinnern, dass sie auch ab und zu in Köln arbeitet und sich da gerne auch mal vom WDR interviewen lassen würde. Die Frau ist echt ne Marke.

Kurz gesagt: Es war großartig.

Die Unterhaltung endet mit kreuzfahrtschiffüblichen Verbrüderungsritualen. Auf einen Kassenzettel schreibe ich meine Handynummer, im Gegenzug erhalte ich einen Getränkeuntersetzer mit zwei Telefonnummern. Sarah ist inzwischen etwas strunkelig, Wir wollten eigentlich früh schlafen gehen und gepackt haben wir auch noch nicht. Bis wann mussten die Koffer nochmal vor die Tür gestellt werden? Auch egal.
Unterm Strich hatten wir einen wirklich großartigen Abend. Und das meine ich völlig ernst. Weit weg von zu Hause und trotzdem irgendwie in der Heimat. Das macht das Ruhrgebiet aus und das ist es was man eben nicht im Allgäu oder sonst wo findet. Verstehen Menschen von da nicht so richtig – stimmt trotzdem. Die Damen aus Moers und Duisburg waren einfach total nett und offen. Nebenbei habe ich eine Steuerberaterin kennen gelernt, kann ja auch nicht schaden. Außerdem kann man auf Gerda wirklich neidisch sein, sie ist Vielfahrerin und hat auf dieser Route einfach mal ein Upgrade bekommen und durfte in einer richtig fetten Suite nächtigen.
Ich bin gespannt, ob man sich nochmal wieder sieht, würde mich wirklich freuen.

Ruhrgebiet ist überall – gut so.

Neue Osloer Weisheit

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