Muss jemand Toilette?

Ich beginne heute schon in der Überschrift mit einer leichten grammatikalischen „Schieflage“. Und ich nehme es direkt vorweg: es wird nicht besser. Poetisch gesprochen: In dieser Folge „Abgedunkelt“ werden wir uns in den Tiefen der grammatikalischen Hölle umtun. Warum tun wir das? Wir tun es, da ich am Wochenende mit zwei Freunden einen kurzen Trip nach Paris unternommen habe und die Hinfahrt ein Blumenstrauß voller Erkenntnisse war.

Essen Hbf – Paris – Abfahrt 5:39 Uhr

Es ist früh, aber dafür sind wir dann auch schon um 10 Uhr in Paris. Wir haben Erfahrung mit dieser Zugverbindung. Ein paar Geschäftsreisende, ein paar Touristen, es ist ruhig und man rast mit 300 kmh nach Paris. Heute wird alles anders sein. Eigentlich hätte ich es mir denken können, denn bereits die erste Aufgabe des noch jungen Tages ging gründlich schief. Die Taktik sah vor, dass am Essener Hauptbahnhof vor der Abfahrt noch kurz Lesestoff sowie Kaffee und Donuts beschafft werden sollten. Dunkin’ Donuts öffnet um 5:30 Uhr – es folgt die Bestellung, der Gang zum Gleis und die Abfahrt um 5:39. Soweit der Plan.

Es ist 5:32 Uhr

Im Laden herrscht geschäftiges Treiben, doch die Glastüren bleiben zu. Ich werde nervös, denn der Zug wird nicht warten. Die Seitentür ist offen und ich frage die freundlichen Mitarbeiter. „Wann machen Sie auf?“ Kurzer Blick – „Um 5:30 Uhr – aber wir haben heute so viele Donuts bekommen, das wird noch ein paar Minuten dauern.“ Logische Antwort – aber mein Gesicht hat wohl folgenden Ausdruck: „??????“.

Misson gescheitert

Wir greifen noch schnell Kaffee bei der Konkurrenz auf dem Weg zum Gleis ab und steigen ein. Der Zug rollt an und wir lernen unsere Mitfahrer kennen.

Ich suche einen Ausgang und beginne mich für den Notausgang zu interesieren Tobias Dunkel

Ich suche einen Ausweg  und beginne mich intensiv für den Notausgang zu interessieren

Ich nenne sie Familie Müller – neutral und frei erfunden. Nicht frei erfunden sind allerdings alle Zitate, die ich während der Fahrt in mein Smartphone getippt habe. Auch die Überschrift stammt aus meinen Aufzeichnungen. Familie Müller hat zwei Kinder, eines von Ihnen hört auf den Namen Ella Marie. Ella Marie ist wahrscheinlich so etwa 5 Jahre alt, die Schwester ist etwas jünger. Die Familie führt zwei Tablets mit sich, und damit keine Langeweile aufkommt spielen die Kinder irgendein Spiel, in dem man irgendwelche Figuren anziehen muss. Das ganze untermalt von einer absolut nervtötenden Musik. Natürlich OHNE Kopfhörer.

Sie unterhalten den ganzen Zug

Der Gespräch plätschert dahin, meine Mitfahrer und ich hatten eigentlich ein kleines Schläfchen eingeplant, aber bei Familie Müller werden Unterhaltungen in einer Lautstärke von ca. 140 Dezibel geführt. Ich gebe kurz den Gesprächsverlauf zwischen Ella Marie und Mutter Müller wieder:
„Ella – einmal durchlassen.“
„Ella, Füße weg. Siehst du nicht. Ella Marie aufpassen.“
„Ella, das kannst du eh nicht. Mama kann auch nicht.“
„Ella, man du. Is ekelig. Was is mit Salat? Nix is.“
„Sollen wir zusammen Memory machen?“
„Genauso wie der Papa. Hört nicht zu. Kannst nicht leugnen das deine Zicke ist.“
„Was hast du gewünscht?“

Wir nähern uns Köln

Meine Mitfahrer haben inzwischen die Flasche Crémant geöffnet. Hilft. Dann holt Familie Müller zum finalen Schlag aus: Guck ma Ella den Schloss… Damit haben wir nicht gerechnet – automatisch schauen wir aus dem Fenster – wir sehen den Kölner Dom.
Danach muss Ella Maries Schwester auf die Toilette. Ella muss nicht. Papa verlässt mit der Schwester den Waggon. Jetzt muss Ella auch. Kommentar der Mutter: Musst du schneller bei Papa laufen. Die restliche Reise nach Paris erspare ich Euch – nur soviel: es wurde nicht besser.

Next stop: Aachen

Tagesausflug nach Paris. Vielleicht ist ja Fashion Week Tobias Dunkel

Tagesausflug nach Paris. Vielleicht ist ja Fashion Week

Es ist inzwischen kurz nach sieben und wir bekommen weitere Mitfahrerinnen. Drei junge Damen aus Aachen. Sie nehmen lautstark ihre Plätze ein. Eine der Damen ist sich nicht sicher, ob sich richtig sitzt: Ich hasse reisen – ich kann nicht rückwärts. Gut das sie heute anscheinend nach Paris reisen und sie gleich merken wird, dass sie tatsächlich rückwärtsfahren wird. Der Zug fährt los, ein kurzer Aufschrei und bevor der Bahnsteig zu Ende ist, wird sie sich umgesetzt haben. Wir alle atmen auf, dass sie uns nicht direkt vor die Füße gekotzt hat.

Die Reiseroute wird besprochen

Das Sitzplatzproblem ist gelöst, Zeit sich mit der Route zu beschäftigen. Aachen liegt an der Westgrenze Deutschlands – bei unseren Damen handelt es sich wohl um zwei Krankenschwestern und eine städtische Angestellte. Sie alle sehen aus als ob sie gleich auf eine Modenschau gehen. Vielleicht ist in Paris gerade Fashion Week. Zitat Dame 1: Dann kommt erst Köln, ne? Ja – man hört immer wieder, das viele Aachener über Köln nach Paris fahren. Die klassische Route über Belgien gilt als überholt.
Als nächstes erfahren wir, dass die Damen sich nach Paris begeben, um sich mit Kosmetikprodukten einzudecken. Das aber birgt ein Problem, da sich der MAC-Store sehr weit von einem anderen Markengeschäft befindet und auf hohen Hacken ist die Laufzeit nunmal einfach begrenzt. Und ich dachte ich hätte Probleme. Die Damen jedenfalls werden noch am Abend wieder zurückreisen und uns damit auf unserem Rückweg leider nicht begleiten können. Ich glaube nicht das ich Sätze wie „Was mich am meisten überaufregt…“ besonders vermissen werde.

Paris – 33 Grad, die Sonne brennt

Bleibt am Ende noch zu sagen, dass unser traditioneller Trip nach Paris eine runde Sache war. Wir haben hervorragend gegessen, unter anderem kann ich ein Restaurant im 18. Arrondissement sehr empfehlen. Empfehlen kann ich auch eine Wertanlage in der französischen Hauptstadt. Ich für meinen Fall bin auch schon im Immobilienbüro meines Vertrauens fündig geworden. Die Größe der Wohnung steht übrigens in der 90er Jahre Word-Art-Stern-Grafik und nein – es fehlt keine Zahl vor der sieben. Jetzt zuschlagen würde ich sagen:

Ein echtes Schnäppchen: Diese "Wohnung" in Paris Tobias Dunkel

Ein echtes Schnäppchen: Diese „Wohnung“ in Paris

Und weil ein Blogtext über Paris ohne einen Song gar nicht geht:

Anscheinend sollte ich öfter Zug fahren – gibt am Ende immer was zu erzählen.

In diesem Sinne…

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