Hacksteak, Wasserwelle & Schwester Gabriele

Ok, ich gebe es zu: ich bin über 30. Leider bleibt mir seit letzte Woche auch keine Wahl mehr, denn auch ich habe nun meinen ersten Schritt auf dem Weg zum 6 Millionen Dollar Mann getan.

Mein Körper ist nun kein originalverpackter und vollständig funktionierender Traumbody mehr – vielmehr werde ich in Zukunft die wahre Freude für jeden Sicherheitsbeamten an den Flughäfen dieser Welt sein. Und bevor das FBI mich sofort verhaftet, werde ich ganz lässig meinen Implantatspass zücken und dem Nacktscanner meine neue, megacoole, künstliche Bandscheibe präsentieren. Tja – was soll ich sagen – es ging alles ganz schnell. Kurzversion: Morgens aufgewacht, irgendwie verlegen, später Schmerzen im Arm, noch später Schmerzen, Taubheit und keine Kraft mehr im Arm. Nach dem verzweifelten Blick eines Neurologen und einem MRT später wurde ich dann einsortiert in die lange Reihe der Bandscheibenvorfallspatienten.

„Schönen guten Tag – das hier ist ihr Bett“,

Mein Zauberkasten voll mit Schmerzmitteln

Mein Zauberkasten

sagt die Schwester und dann bringt sie einen kleinen Zauberkasten, der mich high macht und die Welt ist wieder in Ordnung. Ich liege auf meinem Zimmer im Dortmunder Krankenhaus und mein Nachbar aus Hamm heißt mit Nachnamen Ende. Hoffentlich ist da der Name nicht Programm, Herr Ende und Herr Dunkel liegen also zusammen einfach mal ne Runde rum – neudeutsch: Chillen. Plötzlich am späten Abend steht ein Mann vor meinem Bett, sein Kittel weist ihn als Arzt aus. Er lächelt und teilt mir mit, dass ich einen Bandscheibenvorfall habe und das wäre auch ein ganz ordentliche. Klar, ich mache ja auch selten halbe Sachen. Ich käme um eine Operation nicht drumherum. Im Hintergrund steht eine junge Assistenzärztin, sie ist Ende 20 und hat einen total aufgeregten Blick aufgesetzt. Irgendwie erinnert sie mich an Dr. Yang aus Grey’s Anatomy. Vielleicht ist sie auf der Suche nach einer spannenden OP und ich bin der interessanteste Kandidat. Sei’s drum, ich habe ja wohl keine Wahl.

Ich habe ein Zimmer mit Meerblick

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Zimmer mit Meerblick

Ich liege in meinem Krankenbett und starre auf die Wand. Mein Nachbar hat mir zwar die Macht über die Fernbedienung überlassen, aber Fußball kommt erst in unfassbaren 4 (!) Stunden, und solange erkunde ich meine Bleibe. Wie gesagt, ein Fenster geht zum Meer hinaus, das andere in den Innenhof der Klinik, und da ist es nur mäßig spannend. Umso spannender ist ein Aushang an der Wand. Dort werde ich auf einen ganz besonderen Service des Hauses aufmerksam gemacht: den mobilen Frisör. Ich bin interessiert, schließlich habe ich offiziell noch nicht gehört, wie lange ich nach der Operation bleiben muss. Es werden eine ganze Reihe von Leistungen angeboten, schneiden, färben oder auch das Schneiden des Bartes. Kostet 4 Euro und ich überlege kurz ob ich das Angebot annehmen soll. Natürlich ist die klasssische Dauerwelle dabei, aber auch – und da bin ich dann wohl die falsche Generation – die Wasserwelle. Kostet flotte 16 Euro und kann auch bei Bettlägrigen gemacht werden. Doch dann lässt mich das Kleingedruckte stutzig werden:

Das Kleingedruckte des Frisöres

Das Kleingedruckte

Ok – Festiger, Spülung und so sind drin, aber Sonderbedienungen kosten 1 € pro Minute mehr. Was immer damit gemeint ist, mich jedenfalls schreckt das ab und ich verabschiede mich gedanklich von meinem mobilen Frisörtermin. Schade, vielleicht bei meinem nächsten Besuch. Ich hoffe, dass ich nach einer Woche wieder in meinem eigenen Bett schlafen darf, denn das Krankenhausmodell korrespondiert nicht so recht mit meiner Körpergröße.

Schwester Gabriele

Ich habe Glück, nach einer Woche und erfolgreicher, komplikationsloser OP werde ich das Krankenhaus verlassen können. Und bis dahin werden mir meine Zukünftige und viele Freunde die Zeit vertreiben. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön dafür. Und wenn sie dann Abends irgendwann nach Hause gefahren sind, dann ist da ja noch Schwester Gabriele. Immer mit Rat und Tat zur Seite und morgens um 6 Uhr beim Wecken stets ein freundliches Wort auf den Lippen. Ganz ehrlich: Das macht so einen Aufenthalt wirklich erträglich. Auch dafür ein Dankeschön. Es geht doch nichts über eine kompetente Fachkraft mit Ruhrgebietscharme. Am Ende werde ich ihr meine Visitenkarte geben und sie verspricht meinen Blog zu lesen. Wenn Sie das hier also lesen sollten, Schwester Gabriele: Viele Grüße!

Ein Highlight meines Krankenhausaufenthalts darf nicht unerwähnt bleiben: Am Sonntag gab’s tatsächlich Hacksteak. In diesem Sinne: „Guten Appetit“!

 
Update 29. Juli:
Wenn wir hier schon über Krankenschwestern und Ärzte reden, dann gehört der Fachkräftemangel auf jeden Fall dazu:
Interessante Gedanken zum Thema Fachkräftemangel von Dirk Steinmetz

  2 comments for “Hacksteak, Wasserwelle & Schwester Gabriele

  1. 25. Juli 2014 at 13:54

    Hallo Tobias,

    ich freue mich, dass es Dir gut geht und alles zu Deiner Zufriedenheit geklappt hat. Außerdem ist es schön zu hören, dass Du unter anderem beim Pflegepersonal gut aufgehoben warst. Noch eine Frage dazu: Macht es für Dich einen Unterschied ob Du Schwester Gabriele sagst oder z.B. Frau Müller, Meier, Schmitz? Beschäftige mich gerade mit dem Image der Pflege und messe der Sprache auch eine besondere Bedeutung zu. Wie hast Du dies empfunden? Oder ist diese Diskussion schon wieder viel zu akademisch? Mein Blog-Artikel dazu: http://www.mein-tellerrand.de/warum-es-im-gesundheitswesen-wirklich-einen-fachkraeftemangel-gibt/

    Viele Grüße und weiter gute Genesung

    Dirk

    • 29. Juli 2014 at 17:32

      Hallo Dirk,
      für mich gehört es irgendwie zum Krankenhaus dazu. Alle Schwestern haben sich mit Vornamen vorgestellt und ich finde das grenzt sie von den Ärzten ab. Mann kommt sich irgendwie so vor, als ob Sie in meinem Team spielen. Ich glaube nicht das die Diskussion zu akademisch ist, ich glaube das ist ganz einfache Zwischenmenschliche Kommunikation. Viele Grüße. Tobias

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