Gerichtshumor

Meine Tätigleit hat mich letztens in das Oberverwaltungsgericht Münster verschlagen. Es fing schon am Eingang gut an. Die sehr nette aber etwas mürrische Justizbeamtin teilte mir mit einen Blick auf meine Ausrüstung knapp mit, dass sie meinen Presseausweis sehen müsste. Kein Problem, gesagt getan. Ein kritischer Blick und dann…

„Sie haben aber abgenommen.“ – Schweigen. Ich bin ehrlicherweise ziemlich perplex. Gut ich habe im Gesicht anscheinend etwas schlankere Züge entwickelt als auf dem Foto des Presseausweises aber so richtig fett war ich eigentlich nie. Na gut, dachte ich und zücke meinen Personalausweis. Wenn die Beamtin schonmal was zu lachen hat, dann soll das mit einem uraltem Foto aus meinem Personalausweis belohnt werden. Ich mache es kurz: Hat funktioniert.

Vor Gericht

Im Gericht angekommen beginnt der Prozess. Es geht heute schnell, die Klage wird abgewiesen, der Tschechische Führerschein des Mannes ist in Deutschland nicht gültig. Seinen Deutschen hat er verloren, da er zu tief ins Glas geschaut hat. Klingt irgendwie richtig, aber das zu beurteilen ist Sache des Gerichtes.
Nach dem Termin packe ich die Kamera in den Rucksack und erblicke einen feinen Herrn in Robe. Geschätzte Mitte 50, sehr gut situiert, auf dem Haupt schon ergraut. Er kommt direkt zum Punkt. Was ich denn in einem Oberverwaltungsgericht spannendes gefilmt hätte?

Der Anwalt schlägt zurück

Ich erkläre den Fall, er schmunzelt und ich hole zum Gegenschlag aus. Daraufhin gibt er seine spannenden Fälle zum Besten. Einmal Streit ums Bafög und der andere Fall war so spannend, dass ich Ihn direkt wieder vergessen habe. Oberverwaltungsgericht eben.
Doch der letzte Satz lässt mich aufhorchen. Er mache jetzt gleich auch Schluss, er müsse schließlich noch nach Darmstadt.

„Entschuldigung – wie bitte?“

Seine Antwort: „Ist doch klar, es sei ja schließlich Relegation in der zweiten Liga und er als alter Bielefelder müsse schließlich die Mannschaft unterstützen. Außerdem sei das gestrige Spiel Hamburg gegen Fürth schließlich langweilig gewesen. Doch es geht noch weiter. Ich entgegne: „Ja sicher, so spektakulär wie Dresden gegen Bielefeld wird’s sicher nicht.“ Ich erinnere mich kurz an das Spiel (Spielunterbrechung, Böllerwurf und Raketen auf dem Spielfeld)
Sein Kommentar: Ja stimmt – da sei ordentlich was los gewesen, die Dresdener Ultras seinen schon heftig, aber insgesamt hätte er eine schöne Auswärtsfahrt gehabt.
Tja – ganz ehrlich da fällt mir dann auch nichts mehr ein.
Wir verabschieden uns. Er fährt nach Darmstadt und ich in die Redaktion.
Gut, wir wissen heute er wird einen 3:1 Auswärtssieg seiner Arminen sehen und nach einer 2:4 Heimpleite auf der Alm wird sein Verein trotzdem in Liga 3 absteigen.
Ich bin gespannt – vielleicht trifft man sich mal wieder, würde mich freuen.

In dem Sinne.

Keinen verwandten Inhalt Inhalt gefunden.

  2 comments for “Gerichtshumor

  1. 24. Mai 2014 at 23:03

    Du erlebst Sachen. Dein Leben möchte ich haben :-). N8!

    Maik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.