Eine Heimkinoanlage & das Duschgel-Paralleluniversum

Ich habe letzte Woche in Krefeld gedreht. Kleine Geschichte, Interview vor dem Arbeitsamt und danach ein klein wenig Homestory. Alles klar, kein Problem. Ich bin zu früh, die Sonne scheint – also baue ich schonmal das Equipment auf und warte. Die Berufsschule nebenan hat gerade Schulschluss und nach ca. 15 mal „Komm ich jetzt in Fernsehen“ und „Alter, ist das Live??“ kehrt erst einmal Ruhe ein.
Meine Protagonistin ist noch nicht da, und so warte ich weiter.

Arbeitsamt Krefeld - Tobias Dunkel

Arbeitsamt Krefeld

Hinter mir höre ich ein Auto halten.

Ich drehe mich um und sehe einen weißen Lieferwagen am Straßenrand, Keinen Schriftzug auf der Seite, ein Münchener Kennzeichen. Sieht nach Leihwagen aus. Auf der Beifahrerseite wird die Scheibe heruntergefahren. Ein Mann, etwa Mitte 30 sieht mich an. Ich rechne mit der Frage nach einer Wegbeschreibung.

Er spricht mich an: „Hallo, Sie…“ – er spricht mit einem holländischen Aktzent.

Ich antworte automatisch: „Entschuldigung, ich bin nicht von hier.“

Er: „Kein Problem, möchtest Du ein Heimkinosystem kaufen?“

Ich: „Äh – wie bitte?“

Er: „Möchtest Du ein Heimkinosystem kaufen – uns wurde heute eins zu viel geliefert“

Ach so, natürlich. Ja dann, warum nicht. All das hätte ich sagen können, schließlich kommt es öfter vor, dass seriöse Fachgeschäfte über zu viele Heimkinosysteme klagen.

Da Schlagfertigkeit aber leider nicht zu meinen Fähigkeiten zählt, antworte ich:

„Nein danke, heute nicht. Ich muss noch arbeiten.“

Er: „Alles klar, kein Problem. Vielleicht beim nächsten mal“

Er fährt die Scheibe hoch, setzt den Blinker und fährt in Richtung Krefelder Hauptbahnhof davon.
Tja – Krefeld ist immer eine Reise wert und ich sehe meine Filme immernoch ohne Heimkinosystem. Ein anderes System, oder auch Universum genannt, habe ich heute betreten.

Das Stichwort lautet: Drogeriemarkt.

Ich wollte nur kurz Haargel und ein Fliegengitter kaufen. Als guter Ehemann schreibe ich meiner Frau eine Nachricht:

„Brauchst Du was aus dem Drogeriemarkt?“

Die Antwort kommt prompt per SMS:

Duschgel. Ok – ich bitte eine Spezifikation, schließlich stehe ich vor einem Regal mit 3500 verschiedenen Duschgels. Auf meinem Handy erscheint eine Nachricht: Eine Marke und das Wort „cream“. Ok, damit ist die Suche auf 12 Flaschen eingegrenzt. Ich simse (irgendwie vermisse ich dieses Wort – ist so schön 90er) den Wortlaut der auf der Flasche steht. Ich denke damit ist das Problem gelöst, ich drehe mich um und gehe in Richtung Kasse, als plötzlich mein Handy erneut piept. Ich ziehe es aus der Tasche. Auf dem Display steht:

Welcher Geschmack?

THE END

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