Die (lokale) Zukunft des Journalismus

Die Zukunft des (investigativen) Journalismus. Mit diesem Titel war die gestrige Medienversammlung in Düsseldorf überschrieben und das Programm las sich vielversprechend.
Unter anderem standen die wirtschaftlichen Herausforderungen der Medien auf dem Programm. Ein Punkt, der noch während die Diskussion lief ad absurdum geführt wurde.

Mit welchen Geschäftsmodellen wird in Zukunft Geld verdient

Medienversammlung 2014 Düsseldorf

Medienversammlung 2014

Einfache Frage, schwere Antwort. Es diskutierten ein Blogger, die WZ und der Kölner Stadtanzeiger. Es geht um Bezahlschranken, Modernisierungsprozesse, mobile Endgeräte und vor allem um THEMEN. Was interessiert die Leser? Wann wollen sie es lesen und wie kann das wirtschaftlich attraktiv gestaltet werden? Nur ein Aspekt wurde nicht in Frage gestellt: Lokale Themen müssen es sein. Denn – und auch da waren sich alle Beteiligten einig – das Lokale interessiert den Leser. Er will wissen, was vor seiner Tür passiert. Was in Berlin oder London passiert ist vielleicht wichtig, aber dafür gibt es die Tagesschau. Die Diskussion plätschert vor sich hin und plötzlich hält mir mein Nachbar sein Smartphone hin:

WDR streicht Samstags-„Lokalzeit“

Ich lese die Schlagzeile ein zweites Mal und versuche zu begreifen was da steht. So recht will mir diese Schlagzeile nicht in den Kopf, denn schließlich hört man WDR-intern und extern doch immer wie wichtig das Lokale sei. Scheint jetzt nicht mehr so zu sein. Die Herren auf der Bühne wissen davon noch nichts und daher betonen sie weiterhin wie wichtig der lokale Journalismus doch sei. Er müsse eben gut gemacht sein und könne unter der Voraussetzung natürlich auch überleben. Jetzt habe auch ich kürzlich meine Erfahrungen mit der Qualität meines Lokalteiles gemacht, aber in der Tat glaube auch ich daran, dass gut gemachte und besonders lokale Themen überlebenswichtig sind.  Gut gemachte lokale Themen. Mal abgesehen vom subjektiven Empfinden – schaut man sich die Quoten der Lokalzeiten an, dann könnte man die These vertreten, dass die Lokalzeiten ganau diese Forderung erfüllen. Also in Zukunft von Montag bis Freitag, denn Samstags sendet der WDR dann eine Lokalzeit Weekend. Laut WDR will man dort „verstärkt über das Wochenend- und Freizeitgefühl im Land berichten“. Gut – was immer das auch sein mag. Auch Plasbergs Talk-Sendung verschwindet aus dem WDR Programm. Hauptsache es ist noch Geld für eine weitere Staffel „Lichters Schnitzeljagd“ da. Die Ironie ist durchaus beabsichtigt. Inhaltlich habe ich nichts gegen die Sendung, aber verstehen kann ich die Entscheidung auch nicht. Schon jetzt übernehmen die Lokalzeiten gegenseitig Filme und Beiträge, ohne dass die Autoren davon profitieren. Im Zuge der Sparmaßnahmen sicherlich verständlich. Doch dass jetzt nicht nur in der Verwaltung, sondern auch in den Redaktionen und besonders bei der Lokalzeit gespart werden soll, ist zum einen überraschend und zum anderen irgendwie erschreckend. Umsomehr hatte ich gestern das Gefühl auf einer sehr surrealen Veranstaltung zu sein.

Die Medienversammlung ist unschuldig

Es wäre falsch die Medienversammlung für die plötzlich überholte Tagesordnung verantwortlich zu machen. Vielmehr scheint es eine Ironie des Schicksals zu sein, dass die Einsparnachricht während der Medienversammlung über den Ticker geht und vorne die Bedeutung des Lokaljournalismus hervorgehoben wird.
Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle die sehr interessante Diskussion über die Zukunft des investigativen Qualitätsjournalismus bleiben. Die ehemalige WDR-Chefredakteurin Hörfunk Helga Kirchner und Sascha Frobbe von Radio RST diskutierten mit David Schraven, ehemaliger WAZ-Recherchechef und Christian Fahrenbach (Krautreporter). Die beiden Letztgenannten versuchen gerade etwas ganz neues. Sie haben ihre festen Jobs aufgegeben und wollen selbstständig gute Geschichten finden, recherchieren und an den Mann bringen. David Schravens Projekt CORRECT!V will das erste gemeinützige Recherchebüro sein. Großzügig ausgerüstet mit drei Millionen Euro von der Broststiftung hat er jetzt drei Jahre Zeit seine Vision umzusetzen.

Und das ist auch ein Signal der Medienversammlung 2014. Es gibt Ideen und Visionen und es gibt Kollegen die sie umsetzen. Vielleicht entgegen aller Wahrscheinlichkeiten – aber wahrscheinlich ist, dass das Lokale auch in Zukunft eine Rolle spielen wird.

Es bleibt spannend.

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