Der Sinn und Unsinn von Mobile Reporting

Mobile Reporting. Kaum ein Begriff wird in der Medienwelt aktuell so kontrovers diskutiert wie dieser. Natürlich kann man auch jede Menge andere Umschreibungen für das Filmen mit Handy, Tablet oder anderen mobilen Endgeräten finden – gemeint ist aber meist das gleiche.

Dreh mit dem Smartphone

Dreh mit dem Smartphone

Auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird das Thema diskutiert und meist/oft verteufelt.
Und das ist aus der Sichtweise der freien Autoren beispielsweise beim WDR auch verständlich und ganz ehrlich: Sie haben an verschiedenen Stellen auch Recht.
Nachdem der WDR zum Jahreswechsel die kompletten Lokalzeitausgaben am Samstag auf eine einzige landesweite Ausgabe zusammengestrichen hat, findet sich auch in dieser Sendung der Beitrag eines „Mobile-Reporters.“

Alles mit dem Smartphone gefilmt, alles neu, alles total modern

– soll zumindest der Zuschauer glauben.

Über den Inhalt (Fahranfänger übt auf dem Idiotenhügel) lässt sich streiten. War in den Neunzigern lustig und total hip. Sei’s drum. Die technische Umsetzung mit einem Mobile Reporter und einem Smartphone dagegen ist an dieser Stelle reiner Selbstzweck. Technisch gibt es keinen Grund diesen Beitrag nicht mit einem EB-Team oder einem VJ zu drehen.
Aber mobile Reporting hat im WDR den Stempel „modern“ erhalten, genau wir dieses „YouTube“. Aber das muss noch durch die Gremien.

Genug der Ironie

Der Punkt ist, dass es nicht Sinn und Zweck des mobile Reportings ist, klassische EB-Drehs zu ersetzen.
Es gibt Situationen, da macht es Sinn oder ist einfach nett oder einfach schlau.
Beispiel Ukraine. Eine Schalte oder Bilder mit dem Smartphone aufzeichnen, auf den Server laden – fertig. Die Information ist wichtig, muss schnell raus und das Team ist am anderen Ende der Stadt und vom Reporter abgeschnitten. Sinnvoller Einsatz, und in meinen Augen ist mobile Reporting auch genau für so etwas gemacht.
Ob auf dem Idiotenhügel in NRW kriegsähnliche Zustände geherrscht haben, ließ sich bisher nicht bestätigen.

Zurück zum Selbstzweck

Perfekt gepegelte Mikrofone

Perfekt gepegelte Mikrofone

Die Bilder sind mit dem Smartphone gedreht. Das ist modern. Ok. Und das wars dann aber auch schon. Jeder der etwas Ahnung hat sieht, dass neben dem Smartphone eine Menge anderer Technik zum Einsatz kam. Zwei perfekt ausgepegelte Funkstrecken für die Protagonisten? Ich würde gerne sehen, dass diese einfach in das Smartphone gesteckt wurden und das alles von einem Reporter kontrolliert, gehandelt und alles gleichzeitig bewältigt wurde. Ich habe jahrelange Erfahrung als drehender Redakteur und würde diese Weiterbildung gerne besuchen.
Bentley hat vor ein paar Monaten einen Werbeclip komplett mit dem Smartphone gedreht. Nette Idee, es wurde drüber gesprochen und gut war. Aber auch Bentley hat nicht verheimlicht, dass sie neben dem Telefon Ausrüstung im Wert von etwa 200.000 € benutzt haben.

Mobile Reporting, also das drehen von Bildern und Interviews für das Web, das Privatarchiv oder den eigenen Blog macht Spaß, wertet das Endprodukt auf und ist technisch mit wenigen Mitteln budgetschonend machbar.

Es ist nicht der Sinn von Mobile Reporting ganze Kinofilme zu produzieren. Klar, geht vielleicht, ist aber in meinen Augen nicht der Sinn.
Smartphone, Mikro und vielleicht noch etwas Licht bieten Möglichkeiten unterwegs erlebtes und gesehenes in Film oder Audioform festzuhalten.

Mobile Reporting – Thats It.

Dafür sollte man ein paar Euro investieren, aber auch dabei kann man sich getrost im Angebots- und Ausverkaufsdschungel tummeln.

Mit welcher Ausrüstung ich arbeite und was ich aus meiner persönlichen Erfahrung empfehlen kann, dass könnt ihr demnächst hier nachlesen.

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