Der Kampf gegen den eigenen Körper

Es gibt Menschen, die sind im positiven Sinne bekloppt. So würde das jemand im Ruhrgebiet sagen. Einen ganzen Haufen von diesen netten „Bekloppten“ durfte ich am Wochenende in Emsdetten treffen. 52 Starter traten dort an, um einen doppelten Ultra-Triathlon zu bewältigen. Nochmal: Einen DOPPELTEN Ultra-Triathlon.

In Zahlen heißt das:front_page_de

7,6 km Schwimmen

360 km Radfahren

84,4 km Laufen

Oder anders: Wahnsinn.

Unter den Startern: mein Freund und ehemaliger Arbeitskollege Stefan Thielen. Er ist zum zweiten Mal bei dieser Distanz dabei und nachdem ich beim letzten Mal zu seinem Supporter-Team gehörte (was sich auf Grillen und Bier trinken beschränkte), war ich in diesem Jahr beruflich dabei und habe Stefan mit der Kamera begleitet. Los geht`s Samstag morgen um sieben Uhr.

Nach guten zwei Stunden wechselt Stefan dann auf sein Fahrrad – und dann beginnt das lange Runden drehen. 4,7 Kilometer ist eine Runde lang – das bedeutet flotte 76 Runden. 76 Runden mit Gegenwind, Regenschauern und dem Sonnenuntergang entgegen.

Der Gegner: Die Nacht

Das Radfahren ist geschafft und dann beginnt der Marathon. Und leider ist auch der – wie der Name schon sagt – ein Doppelter. Die Temperaturen fallen, die Zuschauer gehen nach und nach ins Bett, die Supporter versuchen wach zu bleiben – Stefan und die anderen ziehen ihre einsamen Runden.

Dann geht irgendwann die Sonne auf und jetzt ist es nur noch Kampf. Der Körper will nicht mehr, jede Zelle schmerzt und jeder Schritt ist einer zu viel. Jetzt beginnt der Tunnel. Die Athleten nehmen fast nichts mehr wahr, sie hören kaum noch das Klatschen der Zuschauer, die Rufe ihrer Freunde – jetzt muss der Wille über den Körper siegen. Er muss einfach! Aufgeben ist keine Option. Punkt.

Und tatsächlich: Das Ende kommt in Sicht. Ein Helfer reicht Stefan eine deutsche Flagge – das ist das Zeichen. Stefan geht auf die letzte Runde, die letzten verfluchten 1,4 Kilometer der Strecke.

25 Stunden 54 Minuten 45 Sekunden

Nach dieser Zeit kommt Stefan ins Ziel. Völlig fertig und sehr sehr hungrig. Mein Angebot in einem nahegelegenen Fast-Food-Restaurant etwas zu besorgen, lehnt er dann aber doch ab. 🙂

Er kann nicht mehr, doch er hat den Double Ultra Triathlon Emsdetten geschafft. Mit einem fantastischen Ergebnis.

Mehr über der Wettbewerb, ob und was Stefan nach dem Zieleinlauf noch sagen kann und will, gibts morgen Abend in der Lokalzeit Münsterland zu sehen. Reinschalten und staunen.
Den Beitrag gibt’s hier noch eine Woche zu sehen.

Und noch ein letztes Wort an alle Starter:

Respekt!!

  1 comment for “Der Kampf gegen den eigenen Körper

  1. nina Wieberg
    15. Juni 2015 at 21:46

    Hi Tobias, schade, dass ich mich gestern nicht mehr persönlich von euch verabschieden konnte. Dein Bericht ist toll. War schön euch kennengelernt zu haben. Wir sehen uns spätestens in zwei Jahren beim DUT. Wie geht es dem Stefan heute? Bestelle den beiden liebe Grüße ins alles Gute. Lieben Gruß schickt euch die „Kleine“ aus Emsdetten

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