Alter, wo ist mein Schuh?!

Frei nach Frank Goosen: Wir tun es nicht oft, aber manchmal muss es eben sein – mein Freund und ich besuchen ein Auswärtsspiel des VfL Bochum. So geschehen am Wochenende. Wir fuhren also zum Spiel nach St. Pauli.

Es ist 7 Uhr am Sonntagmorgen. Wir sind seit einer halben Stunde wach, die Mettbrötchen sind geschmiert, die Eier hart gekocht. Es klingelt. Der Fahrer von Taxi Abdul (1. Ruhrgebietsklischee erfüllt) ist pünktlich. Er fährt uns zum Hauptbahnhof. Dort warten schon unsere Mitfahrer. Wir warten. Es wird acht Uhr. Wir sollten schon längst unterwegs sein. Dann eine Durchsage von einem Mann in Warnweste:

Unser Zug hat 15 Minuten Verspätung

Der Bochumer Fan ist auch Auswärts stehts gut gekleidet

Der Bochumer Fan reist stehts gut gekleidet

Zweites Klischee erfüllt. Das geht schnell heute. Dann kommt der Zug aber doch und wir folgen dem Rudel auf den Bahnsteig. Wir finden ein Abteil, welches mit zwei Jugendlichen besetzt ist. Die beiden sehen nett aus, schauen nur ein bisschen müde aus. Immerhin sind sie frohen Mutes und mit ausreichend Dosenbier ausgerüstet. Wir rollen Richtung Hamburg. Wir kommen ins Plaudern. Unsere Mitfahrer – nennen wir sie Mario und Luigi – sind mitteilungsfreudig. Sie freuen sich gerade, dass sie morgen erst zur vierten Stunde müssen. Religion steht auf dem Stundenplan. Wir freuen uns mit ihnen und erfahren im weiteren Verlauf, dass die beiden „Voll Abi“ machen. Wir nehmen an, sie meinen das Vollabitur an einer Berufsschule. Vielleicht machen sie aber auch einfach „voll Abi“. Das scheint auch ein Thema zu sein.

Mario und Luigi gehen in den Sambawagen

Dort geht es geschäftig zu. Es ist ja auch schon kurz nach neun. Wie mein Mitfahrer berichtet ist auch hier die Organisation perfekt. Eine Theke für Bier, eine Theke für Schnaps. So einfach wie genial. Einfach mein VfL. Wir bleiben beim Bier und unserer Mitfahrer kommen nur sporadisch vorbei um die leeren Dosen gegen volle auszutauschen. Und sie haben einen Plan. In Hamburg wollen sie im Supermarkt für die leeren Dosen das Pfandgeld kassieren und dies in neue Getränke investieren.

Leider ist heute Sonntag

Mario & Luigi sind etwas ratlos – wir wollen helfen und schlagen als Supermarktalternative eine Tankstelle vor. Dann hält der Zug in Hamburg-Altona und die beiden gehen eine Tankstelle suchen. Wir ziehen mit der ganzen Truppe zu den Landungsbrücken, da löst sich die Fantruppe auf. Wir verzichten auf die große Hafenrundfahrt und trinken Espresso im spanischen Viertel. Dann geht’s ins Stadion. Wir haben eine der wenigen Karten für Gästefans, denn im Stadion wird umgebaut. Als wir ankommen sehen wir auch an welchen Stellen.

Das Dach fehlt noch

IMG_4318

Immerhin: Die Sitze haben die richtige Farbe

Wäre nicht weiter schlimm, wenn das Wetter heute nicht total wechselhaft wäre und wir auf dem Weg zum Stadion schon zweimal von oben mit Regen bedacht worden wären. Neben dem fehlenden Dach ist aber immerhin  3/4 des Stadions fertig. Wir haben Karten für das letzte Viertel. Kein Dach, kein Bierstand und unsere Plätze bestehen aus einer provisorischen Gerüsttribüne für gefühlte 5 Menschen. Allerdings sind sie wenigstens in den Bochumer Vereinsfarben. Ist bestimmt Absicht. Es ist ja schon nett hier am Millerntor. Kurz vor dem Spiel zieht ein Regenschauer auf. Die Menschen hinter uns helfen uns mit Pappe aus, die wir über unsere Köpfe halten. Dann beginnt das Spiel, wir führen nach wenigen Minuten mit 1:0 und den weiteren Spielverlauf kann ich nur an dieser Stelle wiedergeben.

Die Rückfahrt

Nach dem Spiel haben wir den Kaffee gründlich auf. Da nützt es auch nichts, dass sich in der U-Bahn die Pauli-Fans bei uns bedanken und uns zum Trost Bier anbieten. Am Hauptbahnhof warten wir mit den anderen Bochumern an Gleis 14 auf unseren Zug. Oh Wunder – er ist pünktlich. Wir haben einen Lauf und von Mario und Luigi ist nichts zu sehen. Am Bahnsteig versuche ich noch schnell zwei Bier zu ergattern. Vor mir an der Kasse zwei ganz spezielle Fan-Exemplare, die krampfhaft versuchen Chips zu kaufen. Dabei greifen sie beherzt zu den Tüten, drücken ordentlich zu und sagen dann: „Ey Mann, die Chips sind alle kaputt – kostet dann ja nur die Hälfte.“ Klappt nicht. Dazu wollen sie drei Dosen Jim Beam-Cola in der Dose kaufen. Der Verkäufer wirkt leicht genervt, kassiert parallell meine beiden Dosen ab und als ich den Kiosk verlasse höre ich noch wie er zu den Jungs im Christiansen-Trikot sagt: „Das macht dann 17,50 Euro.“ Antwort vom Christiansen-Avartar: „Wat – willste mich verarschen?!?!“

Zurück in unserem Abteil

Nix mit Bahnstreik

Nix mit Bahnstreik

Wir treffen auf einen neuen, schweigsamen Mitfahrer. Er nuckelt an seiner Burger King-Cola und wird die gesamte Rückfahrt im Sitzen schlafen. Wir rollen in den Abend und dann geht die Tür auf. Mario und Luigi sind zurück. Sie haben neues Dosenbier dabei und wirken nach dem Spiel etwas ermattet. Sie verweilen kurz im Abteil, dann verlegen sie die Rückfahrt aufgrund der guten Erfahrung wieder in den Sambawagen. Ist uns ganz recht.

Nach zwei Stunden sind sie zurück. Luigi öffnet die Tür, unser unbekannter Mitfahrer wird kurz wach, dann blickt Luigi angestrengt auf den Boden. Er murmelt etwas von Schuhen. Wir heben unsere Füße und er sieht unter den Sitzbänken nach. Er kommt wieder auf die Beine, blickt an sich herunter und sagt: „Alter, wo ist mein Schuh?“ Wir blicken auf seine Füße – er trägt tatsächlich nur einen Turnschuh. Er wiederholt seine Frage, doch auch beim zweiten Versuch müssen wir leider verneinen.

Die Suche geht weiter

Er schaut erneut im Abteil nach. Ohne Erfolg. Dann fällt sein Blick auf den grinsenden Mario und einen unbekannten Freund. Sie stehen draußen im Gang und scheinen etwas über den mysteriösen Schuh zu wissen. Es folgt ein kurzer Dialog und dann verschwinden die drei in Richtung Sambawagen – es verdichten sich die Hinweise, dass dort mehr über den verschwunden Schuh zu erfahren ist…

The End

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.